Weltpolitik einer Österreicherin
Dr. Norbert Hölzl (Bestseller „1000 Jahre Tirol“) sorgt in seinem Werk „Weltpolitik einer Österreicherin. Von der Unabhängigkeit Brasiliens bis zum Abzug der Sowjets in Wien“ für eine Vielzahl von „Aha-Erlebnissen“ und entzieht sogar der „Reblaus-Legende“ rund um den Staatsvertrag die letzte Weinseligkeit …
Leopoldina, Kaisertochter aus Wien, heiratet in Rio de Janeiro den portugiesischen Thronfolger. Die 25-jährige leitet 1822 die entscheidende Regierungssitzung. Sie macht die größte Kolonie der Welt zum selbstständigen Staat. Ein Verstoß gegen alle Prinzipien des Wiener Kongresses. Zwei Jahre später öffnet sie Brasilien für die deutsche Einwanderung. Sie stirbt nach neun Schwangerschaften mit 29 Jahren, aber hunderttausende Deutsche folgen ihrem Ruf und verändern Südamerika sichtbar bis heute. Das Mausoleum der Kaiserin in São Paulo ist das größte des Kontinents. Nach 1945 vertritt Brasilien als Siegermacht des 2. Weltkriegs alle lateinamerikanischen Staaten, damals ein Drittel der UNO-Mitglieder. Der brasilianische Präsident Getulio Vargas eröffnet dem österreichischen Außenminister Karl Gruber: So wie einst Leopoldina mit diplomatischen Mitteln die Freiheit Brasiliens erkämpfte, so energisch werde sich Brasilien für den Abzug der Sowjets aus Österreich einsetzen. Die Bundesregierung in Wien nannte es die „Aktion Brasilien“. Sie bedankte sich 1954 überschwänglich, um 1955 alles zu vergessen. Vergessen ist auch die größte Expedition Österreichs. Sie dauerte 18 Jahre. Es war die größte in der Geschichte Amerikas. Die Rolle Brasiliens beim Staatsvertrag wurde totgeschwiegen, weil die Österreicher glauben sollten, Verhandlungsgeschick, Trinkfestigkeit und die „Hilfe des Herrgotts“ hätten zum Erfolg geführt. Auch die 150-jährige österreichisch-brasilianische Erfolgsgeschichte von sechs Holzmeister-Generationen blieb nahezu unbekannt. Unbeachtet wie die erste Heiligsprechung im größten katholischen Land der Erde: 2002 wurde eine gebürtige Tirolerin heiliggesprochen. 2010 wurde in Brasilien eine Nonne seliggesprochen. Sie war ausgewandert, weil sie als Schneiderin in Wien keine Arbeit fand. Vielleicht tanzen auch einmal die Heiligen im Karneval von Brasilien so wie vor ihnen Kaiser Franz I. von Österreich, Mozart, Johann Strauss und Sigmund Freud. Die Beziehungen zwischen Österreich und Brasilien haben immer wieder verrückte Formen angenommen. Normal waren sie nie.